Venedig Marathon 25.10.2009 (42,195 KM)

Bericht:

"Über viele Brücken musst Du gehn"
Ein letztes Sommerwochenende 2009 beim Venedig Marathon


Das große Saisonfinale sollte in diesem Jahr wieder eine "Marathonreise" werden,
dieses Jahr zog es mich erneut nach Italien wo (nach Florenz 2006, Mailand 2007 und Reggio 2008) der Venedig Marathon auf dem Plan stand.


"Kranken - Geschichte"

Im Vorfeld war ich nun ganze 4 Wochen leicht angeschlagen (wohl doch etwas übertrieben),
denn Pause kann man sich vor dem Saisonfinale natürlich nicht gönnen ;-)

So kam es dass ich nun 10 Tage vor dem Marathon Antibiotika verschrieben bekam und natürlich keine Pause machen „konnte“, doch das rächte sich am Sonntag (also eine Woche vor dem Start), ich wurde richtig erkältet mit allem was dazugehört. Das jagte auch meinen Puls gehörig in die Höhe was mich doch leicht beunruhigte. Ich sah für meinen Start nur noch eine kleine Möglichkeit, wenn ich:
- eine Woche kein Training mehr mache und mich gründlich erhole
- ein Arzt mir den Start erlaubt.
Das Trainingsverbot hielt ich diesmal auch ein und eine sehr nette Ärztin - die auch eine Blut- untersuchung machte - erlaubte mir den Start, aber nur wenn bis Sonntag mein Puls wieder normal ist.

So ging es mir Freitag schon besser und ich startete um Punkt 12:15 (nach der Schule) mit meiner Familie nach QuartoAltino das ca. 20 Zugminuten von Venedig entfernt ist.
 

Um ca. 18 Uhr hatten wir die 500KM geschafft und waren an unserem wunderbaren Hotel
(Crowne Plaza) direkt am Bahnhof.
Nur das Wetter spielte (noch) nicht so richtig mit.

Das Hotelzimmer war wieder gigantisch und noch dazu recht günstig
(4 Personen incl. Frühstück 78 € / pro Nacht)

Wir gingen zeitig zu Bett (versuchten es zumindest, die Kinder waren jedoch noch nicht müde, da sie sehr lange ganz brav im Auto gesessen sind)
denn morgen hatten wir viel vor.

Nach einem reichlichen Frühstück
ging es mit dem Zug (direkt vor der Haustüre) nach Venedig zum
"Klassischen-Sightseeing-Programm"

Zuerst die Rialto-Brücke auf die sich Andreas besonders gefreut hatte.

Am Markusplatz hatten wir dann schon einige KM in den Beinen und nach der obligatorischen Taubenfütterung gingen wir wieder durch die schmalen Gassen zurück zum Bahnhof. Dort brachte uns der Zug zurück zum Festland, denn nun hieß es noch die Startunterlagen abholen.

Hier kam nun der einzig wirkliche Kritikpunkt am Venedig Marathon,
die öffentlichen Verkehrsmittel bzw. Busse waren für uns ein Rätsel.
Wir wussten zwar wir müssten mit dem Bus # 9 fahren aber wo der war ???, so schickten uns die Mitarbeiter der italienischen Verkehrsbetriebe einmal in die und kurz darauf wieder in die andere Richtung.

Dafür freute sich Christian umso mehr als wir endlich im richtigen Bus waren.

Auch die Haltestelle war eine Katastrophe und schon fast lebensgefährlich, wir hatten ca. 300 Meter an einer autobahnähnlichen Schnellstraße zu gehen und wie man auf dem Foto sieht war der "Gehweg" nicht allzu breit.

Endlich am Ziel, die Marathonmesse, wo es wirklich gute Schnäppchen gab und ich auch ohne Probleme meine Unterlagen bekam.

Mit dabei ein wunderschönes Asics Langarmshirt, ein Baumwoll-T-Shirt und die "üblichen Startgeschenke"

Auch eine gute Idee, einen Kinderspielplatz direkt an der Messe so wird den Kleinen nicht langweilig.

Mir war aber immer noch nicht wohl bei dem Gedanken Morgen 42KM zu laufen, bin jetzt doch schon eine Woche nicht mehr gelaufen und konnte mich, den Puls und meinen Körper schlecht einschätzen, also ging ich am Vorabend eine 4KM Runde laufen, in der ich die verschiedenen Geschwindigkeiten getestet habe.

Leider wusste ich nach dem Lauf noch weniger was ich tun sollte, denn der Puls war wieder relativ normal aber die Puste weniger....


Der Sonntag - Venedig Marathon:
 

Ich musste sehr früh aufstehen da mein Zug schon um 6:26 abfuhr, das bedeutete auch kein Frühstück (erst ab 7 Uhr). So kaufte ich mir in meiner Verzweiflung am Vorabend 2 Semmeln und eine Bolognese Sauce, “ja genau es schmeckt auch so wie es sich anhört (besonders zum Frühstück)“.

Ein schöner Sonnenaufgang verhieß uns einen sonnigen und warmen Tag.

Auf der kurzen Zugfahrt gönnte ich mir dann noch einen Müsliriegel und verbrachte die Zeit mit abkleben diverser Stellen.

Hatte zudem ein ungutes Gefühl
1. zuwenig gegessen
2. Puls zu hoch (wohl die Psyche)
3. ich hatte kein Ticket (war nicht klar definiert, hätte zwar gedacht man braucht keines, aber im Zug hatten alle Läufer eine Fahrkarte)

Die Zugfahrt hab ich gut überstanden, nun wurden wir am Bahnhof von Mestre in Busse "gestopft" und zum ca. 25KM entfernten Start in Stra gefahren.

Die Fahrt war sehr schön (ich hatte ja auch einen Sitz-Fenster-Platz) so konnte man schon mal die ersten 25KM der Strecke besichtigen.

Das andere "etwas" negative war, dass wir nun fast 2 Stunden vor dem Start vor Ort waren und uns den A.... abfroren da es sehr kühl war. So verzog ich mich in ein Zelt in dem es nach sämtlich am Markt erhältlichen Salben und Cremes roch (hier wurde geschmiert was das Zeug hielt).

Aber zumindest war es warm, ich hatte (zuviel) Zeit zu überlegen.
- was ziehe ich an
- welche Zeit laufe ich
- was macht der Puls

Als ich im Startblock (danke meiner Budapest-Zeit 3:19 im 1. Block!!!!) stand, bemerkte ich den ersten Fehler (ich hatte zwei T-Shirts an).
Kleiderabgabe war bis 8:30 Uhr und da war es noch kalt um 9:15 blitzte kurz die Sonne raus und es wurde schon jetzt sehr warm aber mein Trikot wollte ich nicht wegwerfen.

Zudem wurde während einer Pinkelpause am Fluss, der Startblock von hinten geöffnet und so überholten mich gut 500 langsamere Mitläufer.

Um ca. 9:35 (mit 15 Minuten Verspätung) durften wir starten. Man musste aber bis spätestens 9 Uhr im Startblock sein, so wartete ich ganze
40 Minuten im Startblock, also nichts mit warmlaufen.

Der 1. KM war Chaos pur, die Strecke für 6000 Starter eindeutig zu schmal und natürlich die "Langsamen" die ganz vorne stehen müssen.
Es ist sogar eine Läuferin neben mir schwer gestürzt, ich hoffe sie konnte weitermachen.

Es ging immer an dem kleinen Flüsschen Brenta entlang.
Rechts der Fluss und links alte und prächtige Villen.

Die kleinen Orte die man durchquerte waren regelrechte Partymeilen. Es war ja schon mein 4. Italo Marathon aber so eine Stimmung hab ich noch bei keinem annähernd erlebt.

Mir ging es gut und der Puls war OK, so beschloss ich nach 7 KM meine Bestzeit anzugreifen.

Eine 3:09 geschweige denn eine 2:59 war nicht mehr drinnen, aber eine 3:15 und somit neue Bestzeit (bisherige 3:19) sollte es schon werden.

Während sich der Papa die Seele aus dem Leib rennt hatten es Mama und die Kinder sichtlich auch nicht leicht. ;-)

Das erste Drittel legte ich in ziemlich genau 1:05 zurück also im Plan auf 3:15.

ca. bei KM 20 kam man nach Marghera und danach in die "Großstadt" Mestre, hier war sozusagen der 2. Marathon Teil, ein Stadtmarathon wie man ihn kennt.
Besondere Highlights waren hier jetzt nicht zu erkennen.

Die Halbmarathon Marke erreichte ich nach 1:37:03

Was mir aber Sorgen machte war, dass es immer wärmer wurde, es waren schon deutlich über 20°C

Bei KM 28 kam man dann in einen schönen Park (San Giuliano) an dem wir am Vortag unsere Startunterlagen abgeholt haben, auch hier haben sich viele Fans versammelt.

Und ich lag immer noch voll im Plan 2:09 nach 2/3.

Sozusagen der 3. Teil des Marathons (in dem Park) legten wir ca. 5 KM zurück und hier wurde es dann auch hart. Es waren immer wieder kleinere Steigungen zu überwinden.

Und nun wurde es richtig heiß, ich war wohl durch die letzten Wochen schon auf Winter eingestellt und nun waren wir bei über 25°

Zudem gingen mir langsam die Körner aus, denn in Italien gibt es meistens erst ab KM 20 Verpflegung (vorher nur Wasser) ich hatte zwar 2 Gels dabei aber da am Vortag keine Nudelparty war und ich nicht richtig gefrühstückt hatte, ........

Ausreden hab ich immer genug, ....

Ziemlich genau bei KM 30 bemerkte ich dass die Gruppe mit der ich die letzten 7 KM gelaufen bin plötzlich das Tempo anzog und mir davon gerannt ist, ebenso der Rest der Läufer.
Ich dachte die wollen nun wohl anziehen, aber bei KM 31 bemerkte ich, dass der Rest nicht schneller geworden ist sondern ich um 20 Sekunden langsamer, ..........
OK, das war dann wohl der "Hammermann" und nun kam auch noch eine ordentliche Steigung auf die  große Brücke die uns auf den
 

4. Teil des Marathons brachte. Wir liefen ab KM 33 auf die ca. 4 KM lange (nicht endende) Brücke, die Venedig mit dem Festland verbindet

und ab hier war ich dann wieder einmal soweit, mit der Laufwelt und dem ganzen Sch..... abzuschließen. Ich glaube jeder Marathonläufer weiß was ich meine.

 

 

Danach dann ein Highlight und eine Überraschung ich traf meine Familie, die mir für die letzten 5 KM noch mal Mut zusprachen,
"tja, nett gemeint aber gebracht hat´s nix"

In der Ausschreibung war die Rede von 13 Brücken die zu überqueren sind und nachdem ich schon ca. 7 hatte dachte ich es wären noch 6. Daher "freute" ich mich über das "Ponti alla Fine - 14 Schild" logischerweise besonders ;-(

Jeder der sich nun denkt,
"pft, was ist denn an so einem kleinen Brücklein so schlimm", dem kann ich nur empfehlen mal in Venedig 40 KM zu laufen und dann noch 14 Brücken zu überqueren.

Auf dem Foto rechts kann man die ganze Freude des Marathonlaufens sehen.

Mir war HEISS, ich war kaputt und wie man erkennen kann um ca. 20 Jahre gealtert .........

Aber ich war noch auf Bestzeitkurs die 3:15 konnte ich vergessen aber eine 3:17 kann es noch werden, bzw. wenn ich jetzt ans bzw. über´s Limit gehe vielleicht eine 3:16.

Nachdem man nun durch das "Hafenviertel" von Venedig gelaufen ist, kam nun der 5. Teil der Strecke und der hatte es optisch in sich. 

Leider hatte dieser letzte Streckenabschnitt nur
2 KM. Obwohl ich "zerstört" war, genoss ich diese
2 letzten KM und ich Sch.... auf die 3:16.

Ich lief, machte Fotos und es war unbeschreiblich:
das Wetter, die Bauwerke, das Meer, .......

Sogar über dem Canale Grande war eine "provisorische Holzbrücke" extra für den Marathon gebaut worden.

Es waren nicht Hunderte, sondern Tausende
(Fans, Touristen, Zuschauer) die uns nach vorne brüllten.

Das Foto musste sein, aber wie in Paris immer ohne Spitze.

Die Leute hat es amüsiert, bei KM 41 fotografieren und nicht mal so langsam zu laufen.

Und wie man sieht wurde die Laune auch wieder besser.

Nach 3:17:29 kam ich ins Ziel,
somit neue Bestzeit und
Marathon # 18 gefinisht.

Was will man mehr.
Da störte es mich dann auch nicht dass das letzte Drittel mit 1:07 „zu langsam“ war

Übrigens
Platz 616 (netto) und 630 (brutto)
von immerhin 6000 Teilnehmern und
5541 Finishern

Es gab eine schöne Medaille, welche die Spitze der Gondeln darstellt.

Organisatorisch war alles bestens geregelt. Es gab nirgends Wartezeiten, ich bekam mein Päckchen und einen Verpflegungsbeutel. Außerdem hätte ich mich auch noch gratis Massieren lassen können, wollte aber zurück zu meiner Familie, die in der Nähe des Bahnhofes auf mich wartete.

Leider bekam ich keine Nudeln (bei der Nudelparty) da ich meinen Bon verloren habe. Das hab ich nicht OK gefunden, aber ehrlich gesagt wer hat schon nach einem Marathon bei ca. 27° Lust auf einen Teller dampfende Nudeln.

Die Kinder sahen sich in der Zeit Kreuzfahrtschiffe an und waren von dem Anblick der Riesen überwältigt.

Was für ein Finish - Bereich

Es war alles ordentlich gekennzeichnet und so hab ich dann auch mein "Shuttle-Boat" nach nur einem kurzen "Verläufer" gefunden.

Auf dem Schiff das uns kostenlos nach Venezia - Tronchetto brachte machte ich dann noch jede Menge Fotos von der Strecke vom Wasser aus und gönnte mir eine sehr gute "Finisher Halbe".

Markusplatz und ........

Auf dem Foto sieht man die Brücke über den Canale Grande

!!! Der glückliche Papa und stolze Finisher
oder stolze Papa und glückliche Finisher …!!!

Mit dem Zug ging es dann in nur 20 Minuten zurück zu unserem Hotel.

Keine Zeit zum Durchschnaufen, beim Hotel ab ins Auto und direkt nach Jesolo (der näheste Strand)

Traumhaft, Ende Oktober bei 25° am Meer spazieren gehen!!!

Bei einem Gelati hatten wir dann noch den perfekten Abschluss unserer Reise.


Ich habe noch viel mehr Fotos (über 150) von diesem unvergesslichen Wochenende unter
http://picasaweb.google.com/lt.zwecks.da.gaudi/2009_10_25_Venedig_Marathon
 

Also der Venedig Marathon ist absolut zu empfehlen, wer dort jedoch Bestzeit laufen möchte, sollte ab KM 28 ein paar Minuten draufrechnen.

 

Strecke:
Durch ihre 5 völlig unterschiedlichen Abschnitte extrem kurzweilig.
Vor allem die letzten 2 KM sind unbeschreiblich
 

Startgebühr:
70€ incl. Asics Langarm Shirt, ...
 

Sonstiges:
Zur Marathonmesse am besten mit dem Auto fahren
 

Fazit:
Venedig und Florenz sind ein "Must-Have-Italian-Marathon
 

Note:
1
 

Offizielle Seite:
www.venicemarathon.it

 

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